Rund sechs Millionen Euro Forschungspreisgeld an die FAU

Maier, Sabine (Foto: Erich Malter)

Vier Nachwuchswissenschaftler punkten im harten Wettbewerb um die begehrten ERC Starting Grants

Gleich vier Nachwuchswissenschaftler der FAU konnten sich im härtesten Auswahlverfahren zur Vergabe europäischer Fördermittel durchsetzen: In den kommenden fünf Jahren unterstützt der Europäische Forschungsrat (ERC) die exzellenten Forschungsvorhaben von Dr. Björn Braunschweig, PD Dr. Andreas Bräuer, PD Dr. Gerhard Krönke und Prof. Dr. Sabine Maier,  Juniorprofessorin für Experimentalphysik, mit je einem der mit 1,5 Millionen Euro dotierten ERC Starting Grants. Bei der strengen Auswahl unter den Projektvorschlägen entscheidet das ERC auf Basis eines umfassenden Begutachtungsprozesses, an dem eine Vielzahl der auf den jeweiligen Forschungsgebieten führenden internationalen Wissenschaftler beteiligt ist. Weniger als zehn Prozent der eingereichten Forschungsvorhaben schaffen die Hürde. Der ERC vergibt diese Fördermittel jährlich an die vielversprechendsten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die so die Chance erhalten sollen, eigene Arbeitsgruppen auszubauen und Forschungsprojekte mit hohem Innovationspotenzial voranzutreiben.

Auffallend: Drei der vier Preisträger an der FAU gehören zu den Exzellenzeinrichtungen der Universität. Zwei sind am Exzellenzcluster Engineering of Advanced Materials (EAM) beteiligt, einer kommt von der Erlangen Graduate School in Advanced Optical Technologies (SAOT) – das mag als Indiz gelten, dass die Mittel aus der Exzellenzinitiative an der FAU hervorragend investiert sind. Die Nominierung von Dr. Gerhard Krönke, der an der Medizinischen Klinik 3 (Rheumatologie und Immunologie) am Universitätsklinikum Erlangen arbeitet, unterstreicht dagegen einmal mehr die herausragende Stellung der Erlanger medizinischen Forschung im Bereich Immunologie. Ein fünfter Wissenschaftler, der in diesem Jahr mit einem ERC Starting Grant bedacht wurde, lehrt und forscht derzeit übrigens ebenfalls an der FAU: Dr. Edouard Berrocal von der Universität Lund ist Gastprofessor in Erlangen.

Prof. Dr. Joachim Hornegger, Vizepräsident für Forschung der FAU, ist begeistert: „Gleich vier ERC Starting Grants auf einen Schlag an die FAU zu holen – das ist ein überwältigender Erfolg. Unsere Preisträgerin und unsere drei Preisträger sind wirklich ganz besondere Forscherpersönlichkeiten und ich gratuliere ihnen herzlich zu dieser großartigen Leistung. Wir sind stolz auf unsere Rising Stars! Dies zeigt aber auch, wie hoch der Stellenwert der Nachwuchsförderung an der FAU ist – und wie sichtbar wir mittlerweile in der internationalen Forschungslandschaft sind.“

Teppichweberin auf molekularer Ebene: Prof. Dr. Sabine Maier, 35

Moderne elektronische Geräte müssen nicht nur immer leistungsfähiger, sondern auch immer kleiner werden. Molekulare Elektronik bietet die Chance, winzig kleine Bauelemente oder Sensoren aus funktionellen Molekülen herzustellen, die sich wie Schalter, Leiter oder Speicherzellen verhalten. Es ist daher eine wichtige Frage, wie sich die Anordnung von Molekülen und deren Wechselwirkung untereinander auf elektrisch isolierenden Oberflächen – dem Isolator – kontrollieren lässt, um in der Zukunft neue Materialklassen und winzigste elektronische Bauteile mit maßgeschneiderten Eigenschaften zu entwickeln. Sabine Maier verwendet hierzu die hochauflösende Rastersondenmikroskopie. Das ist eine Methode in der Oberflächenphysik, bei der mit einer scharfen Spitze die Oberfläche gerastert und so Schritt für Schritt abgetastet wird. So gelingt es, einzelne Moleküle und Atome auf Oberflächen abzubilden und zu manipulieren. Die Forscher können damit nicht nur die Struktur, sondern auch die elektronischen Eigenschaften von molekularen Netzwerken auf verschiedenen Oberflächen untersuchen. Dank des ERC Starting Grants kann Sabine Maier ihr jüngstes Forschungsprojekt vorantreiben: Sie will es schaffen, aus einzelnen Molekülen neuartige molekulare Filme auf elektrisch isolierenden Oberflächen aufzubauen – und zu neuen zweidimensionalen Materialien zusammenfügen. Die molekularen Bausteine werden im ultra-hohen Vakuum verdampft und lagern sich spontan selbstorganisierend auf dem Isolator an. Sabine Maier will herausfinden, welche Reaktionen und welche Oberflächen sich eignen, um die Moleküle durch Licht oder Hitze zu unvorstellbar dünnen Molekülteppichen richtig fest zusammenzuknüpfen, also kovalent zu verbinden. Die schwierige Kunst ist es dabei, die Teppiche möglichst fehlerfrei und großflächig zusammen zu weben. Winzig kleine Stücke dieser neuartigen Netzwerke untersucht die Wissenschaftlerin im Rastersondenmikroskop bei ganz niedrigem Druck (Ultrahochvakuum) und niedriger Temperatur (- 268 ° C), quasi in Kältestarre, damit die Moleküle sich nicht bewegen und auch deren elektrischen Eigenschaften gemessen werden können. So lassen sich erstmals extrem stabile, elektrisch gut leitende Molekülteppiche herstellen und messen – und Rückschlüsse daraus ziehen, welche Molekülstrukturen am besten für nanoelektronische Anwendungen geeignet sind.

Zur Vita:

Prof. Dr. Sabine Maier wurde vom Exzellenzcluster Engineering of Advanced Materials (EAM) im Rahmen des EAM „Rising-Star“-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Oktober 2010 als W1-Professorin für Rastersondenmikroskopie an das Department für Physik der Universität Erlangen-Nürnberg berufen. Seit 2012 ist sie Mitglied des Jungen Kollegs der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 2013 erhielt sie einen EAM Starting Grant in Höhe von 100.000 Euro, der es ihr ermöglichte, ihre eigene Arbeitsgruppe auszubauen und vorbereitende Forschungen für eine ERC Starting Grant-Bewerbung durchzuführen. Mit dem ERC Starting Grant in Höhe von fast 1,5 Millionen Euro ist ihr nun ein großer Sprung auf der Karriereleiter gelungen. Das Forschungsgeld wird sie unter anderem dazu nutzen, ihre Arbeitsgruppe personell weiter aufzustocken.

Die gebürtige Schweizerin studierte Physik an der Universität Basel. 2007 promovierte sie dort in Experimentalphysik auf dem Gebiet der Rasterkraftmikroskopie. Während ihrer Promotion arbeitete sie für ein Jahr als Wissenschaftlerin an der McGill Universität in Montreal (Kanada). Von 2007 bis 2010 war sie Postdoktorandin am Lawrence Berkeley National Laboratory in Berkeley (USA). In Erlangen ist Sabine Maier mittlerweile extrem gut vernetzt im Exzellenzcluster, aber auch in einem Sonderforschungsbereich und einem Graduiertenkolleg – hier ist ihr Expertenwissen in der Rastersondenmikroskopie für zahlreiche Applikationen gefragt.

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