Zum Gedenken an Prof. Dr. Konrad Jacobs

Prof. Jacobs, 1988, Bildarchiv des Mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach

Prof. Dr. Konrad Jacobs wurde am 24. August 1928 in Rostock geboren. Von 1947 bis 1954 studierte er Mathematik und Physik in München und Hamburg und promovierte 1954 an der LMU bei Wilhelm Maak. Seine Promotion trägt den Titel „Ein Ergodensatz für beschränkte Gruppen im Hilbertschen Raum“.

1956 bis 1958 war er Assistent in München, wo er auch habilitierte. 1959 wurde er als Professor für mathematische Statistik nach Göttingen berufen. Im Jahr 1965 kam er gemeinsam mit Heinz Bauer, der den ehemaligen Lehrstuhl seines Lehrers Otto Haupt besetzte, nach Erlangen auf den damals neu geschaffenen Lehrstuhl für Mathematische Statistik. Das Gespann Bauer – Jacobs setzte wesentliche Impulse für ein neues mathematisches Leben in Erlangen.

Prof. Jacobs nahm zahlreiche Gastprofessuren wahr, u.a. in den USA, Japan, Taiwan und Italien, doch blieb er Erlangen bis zu seiner Emeritierung 1993 treu. In seiner Zeit am damaligen Mathematischen Institut promovierte er knapp 20 Doktoranden und Doktorandinnen, viele seiner Schüler wurden anschließend selbst berufen.

Prof. Jacobs befasste sich mit Wahrscheinlichkeitstheorie, fastperiodischen Funktionen, Kombinatorik, Informationstheorie und dynamischen Systemen sowie insbesondere mit der Ergodentheorie. Lange Jahre war Herr Jacobs Herausgeber des Jahresberichts der DMV.

Neben zahlreichen anderen Publikationen und seinen Exkursen in die Geschichte der Erlanger Mathematik lag ihm die (auf 5 Bände wachsende) Serie „Selecta Mathematica“ bei den Heidelberger Taschenbüchern (Springer) besonders am Herzen.

Die Themen seiner Vorlesungen waren weitgestreut bis über die Grenzen der Mathematik hinaus.

Prof. Jacobs hat sich außerdem mit Fotografie beschäftigt und verfügte über eine große Sammlung von Fotoportraits von Mathematikern aus aller Welt und aus verschiedenen Epochen. Teile der Sammlung hängen heute in der Lounge des Departments Mathematik. Im Jahr 2005 übertrug Prof. Jacobs seine komplette Sammlung an das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach (siehe auch http://owpdb.mfo.de). Prof. Jacobs verstarb am 26. Juli 2015.