Rigorosum Annika Hoppe-Seyler

Jul 27
Ganztägig
27. Juli 2021
Findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Beziehungsweise Flüchtlingshilfe. Die (Re-)Produktion erfahrungsbasierter Beziehungen und situierter Transaktionsräume (der Teilhabe) durch Praktiken ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe am Beispiel Erlangen

Annika Hoppe-Seyler (FAU)

Betreuer: Prof. Dr. Fred Krüger

Wann: Dienstag, 27. Juli 2021
Wo: Aufgrund der noch immer geltenden Ausführungsbestimmungen zur Promotionsprüfung muss die Prüfung leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Zeitgleich zu den medial häufig als „Flüchtlingskrise“ bezeichneten Migrationsbewegungen der Jahre 2014 bis 2016, die ihren zahlenmäßigen Höhepunkt im Spätsommer 2015 erreichten, entwickelte sich in Deutschland eine zweite große und vielgeschichtige Bewegung: die der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe. Insbesondere in den Hochzeiten der Zuwanderung waren Ehrenamtliche oft die ersten Personen, mit denen Geflüchtete in Kontakt traten und mit denen sie zum Teil auch viele Jahre später noch unterschiedliche Formen von Beziehungen pflegen. Dies wird von einigen Wissenschaftler*innen, aber auch aus Perspektive vieler Politiker*innen und Medienberichterstatter*innen als wichtiger Beitrag zur Integration von Migrant*innen und zur Gestaltung von Teilhabe gewertet. Doch während sowohl das Migrationsgeschehen selbst als auch Fragen nach Integtionschancen oder -hemmissen geflüchteter Menschen bereits vor der sogenannten Flüchtlingskrise intensiv sozial- und raumwissenschaftlich thematisiert worden war, blieben die gesellschaftlichen und sozialräumlichen Wirkungsweisen ehrenamtlicher Praxis oft außerhalb des Forschungsfokus.

Hier setzt die Dissertation von Annika Hoppe-Seyler mit Hilfe eines stark geographisch und ethnographisch geprägten Forschungskonzeptes an. Die Arbeit stellt das Ergebnis einer praxeologisch gerahmten Auseinandersetzung mit dem empirischen Feld der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe dar. Das Erkenntnisinteresse der Forschung bestand darin, die gegenwärtig hoch aktive, zivilgesellschaftliche Praxis ehrenamtlichen Engagements für Geflüchtete in ihren inneren Dynamiken und Spannungen aufzuschlüsseln und dabei auch die Bedeutung lokaler und kommunaler Kontexte des Praxisfeldes zu berücksichtigen. Dabei wurde der Blick gezielt auf die vielfältigen Ko-Konstitutionen gerichtet, die das Feld ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe hervorbringen und prägen, wodurch gleichzeitig die Prozesse der Wissens- und Erfahrungsemergenz sowie der Stabilisierung und Destabilisierung von Praxisvollzügen sichtbar gemacht werden konnten. Im Laufe der Forschung wurde u.a. deutlich, dass insbesondere die persönlichen Beziehungen zwischen Ehrenamtlichen und Geflüchteten dazu beitragen können, asylrechtlichen Verschärfungen entgegen zu wirken, neue Teilhaberäume zu eröffnen und damit einen Beitrag zu gesamtgesellschaftlicher Stabilität zu leisten.