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Massenaussterben mit Ansage

Die FAU-Paläobiologen untersuchten zusammen mit deutschen und iranischen Kollegen Fossilien an wenig erforschten geologischen Profilen im Iran. (Bild: Dieter Korn)

FAU-Wissenschaftler belegen, dass es entgegen bisheriger Annahmen Vorboten für Massenaussterben gibt

Artensterben sind in der Erdgeschichte inzwischen gut dokumentiert. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese, geologisch gesehen, in einer kurzen Zeitspanne abliefen. In einer neuen Studie belegen Paläobiologen der FAU und ihre Forschungspartner nun, dass sich das größte Massenaussterben der Erdgeschichte doch sehr viel früher angekündigt hat – und weisen darauf hin, dass dieselben Vorboten auch heute zu beobachten sind.

Die FAU-Wissenschaftler fanden heraus, dass das Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze sich über einen längeren Zeitraum ankündigte. Ammonoideen wie Paratirolites verloren zahlreiche Arten und wurden über 700.000 Jahre stetig kleiner (hier abgebildet: Paratirolites). (Bild: Dieter Korn)

Die FAU-Wissenschaftler fanden heraus, dass das Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze sich über einen längeren Zeitraum ankündigte. Ammonoideen wie Paratirolites verloren zahlreiche Arten und wurden über 700.000 Jahre stetig kleiner (hier abgebildet: Paratirolites). (Bild: Dieter Korn)

Massenaussterben sind seltene Ereignisse mit katastrophalen Konsequenzen. Oft wurden in der Folge von Massenaussterben die Weichen der Evolution neu gestellt. So wäre zum Beispiel der Aufstieg der Säugetiere – und damit auch des Menschen – ohne das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren kaum möglich gewesen. Damals führte ein Meteoriteneinschlag zu globaler Dunkelheit und massiver Abkühlung. Die darauffolgende Hungerkrise löschte mehr als 70 Prozent aller Tierarten aus. Die Vorfahren des Menschen gehörten zu den glücklichen Überlebenden.

Noch katastrophaler war das Artensterben an der Perm-Trias-Grenze vor circa 250 Millionen Jahren. Gigantische Vulkaneruptionen löschten über Treibhausgasemissionen nach Hochrechnungen über 90 Prozent aller Tierarten aus. Seit fast 20 Jahren ist die vorherrschende Meinung in der Forschung, dass diese Mutter aller Katastrophen auf geologischen Zeitskalen abrupt und ohne Vorwarnung verlief: Schätzungen gehen von geologisch kurzen 60.000 Jahren aus.

In einer neuen Studie, die in der März-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Geology“ erschienen ist, belegt ein deutsch-iranisches Forscherteam, dass sich die Krise länger hinzog. Die Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Kießling, Lehrstuhl für Paläoumwelt an der FAU und gerade als Hauptautor für den sechsten Weltklimabericht berufen, und Dr. Dieter Korn, Museum für Naturkunde in Berlin, untersuchten Fossilien an wenig erforschten geologischen Profilen im Iran. Ihr Ergebnis: Bereits 700.000 Jahre zuvor sind erste Anzeichen für ein Massenaussterben zu erkennen. Damals wurden mehrere Ammonitenarten dahingerafft und die überlebenden Arten wurden zunehmend kleiner und einfacher je näher das Hauptereignis kam.

Vorboten eines Massenaussterbens auch heute sichtbar

Die Faktoren, die zum Massenaussterben am Ende der Permzeit führten, erinnern dabei sehr an heute, sagt Prof. Wolfgang Kießling: „Massive Klimaerwärmung, Ozeanversauerung und Sauerstoffknappheit sind gut belegt. Was uns heute noch von damals trennt, ist das Ausmaß. Noch ist zum Beispiel die Temperaturerhöhung deutlich geringer als vor 250 Millionen Jahren.“

Die Vorboten, die das Team um Wolfgang Kiessling gegen Ende des Perms ermittelt haben, sind aber schon da. „Die derzeit beobachteten erhöhten Aussterberaten in allen Lebensräumen sind zwar eher dem direkten Einfluss des Menschen geschuldet, wie zum Beispiel Habitatzerstörung, Überfischung und Verschmutzung. Aber die besonders in den Ozeanen ermittelte Verzwergung von Tieren lässt sich ziemlich eindeutig auf den Klimawandel zurückführen. Diese Vorboten sollten wir sehr ernst nehmen.“

Der Originalartikel „Pre-mass extinction decline of latest Permian ammonoids” von Wolfgang Kiessling, Martin Schobben, Abbas Ghaderi, Vachik Hairepatan, Lucyna Leda und Dieter Korn wurde in der Fachzeitschrift „Geology“ publiziert (doi: 10.1130/G39866.1).

Die Arbeit ist aus der Forschergruppe TERSANE entstanden, die an der FAU beheimatet ist (FOR 2332). In diesem interdisziplinären Projekt untersuchen acht Arbeitsgruppen, unter welchen Bedingungen natürliche Treibhausgasemissionen katastrophale Ausmaße erreichen können und wie diese mit Biodiversitätskrisen in Zusammenhang stehen. Mehr Infos erhalten Sie unter

Weitere Informationen:

Webseite

Prof. Dr. Wolfgang Kießling
Tel.: 09131/85-26959
wolfgang.kiessling@fau.de