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ERC Starting Grant für Gletscherforscher

Portrait Dr. Johannes Fürst
Dr. Johannes Fürst, Institut für Geographie an der FAU. (Bild: Katleen van Hoof)

Dr. Johannes Fürst erhält Millionenförderung vom Europäischen Forschungsrat

Der FAU-Nachwuchswissenschaftler Dr. Johannes Fürst vom Institut für Geographie konnte sich im härtesten Auswahlverfahren zur Vergabe europäischer Fördermittel durchsetzen: In den kommenden fünf Jahren unterstützt der Europäische Forschungsrat (ERC) sein exzellentes Forschungsvorhaben mit mindestens 1,5 Millionen Euro. Bei der strengen Auswahl der ERC Starting Grants schaffen weniger als zehn Prozent der eingereichten Vorhaben die Hürde. Das ERC vergibt seine Fördermittel jährlich für Forschungsprojekte mit besonders hohem Innovationspotenzial.

Das Projekt: FRAGILE. Next generation framework for global glacier forecasting

Unsere Gletscher schmelzen – und werden es weiter tun, wenn in Sachen Klimawandel nicht eine drastische Wende eintritt. Soweit sind die Fakten bekannt. Doch wie lässt sich der Rückzug und das Abschmelzen von allen Gletschern weltweit für die kommenden Jahrzehnte zuverlässig prognostizieren?

Bislang haben Forscherinnen und Forscher dafür vornehmlich Modellierungsansätze genutzt, die auf recht einfachen Gletschermodellen basierten: Üblicherweise wurden dafür die Gletschergeometrien stark vereinfacht auf einzelne Flusslinien oder sogar nur auf reine Volumen- und Flächenangaben. Zudem blieb ihr Fließverhalten weitgehend unberücksichtigt. Schlussendlich ist die Eismächtigkeit – also die Eisdicke – der heutigen 200.000 Gletscher nur sehr grob bekannt: ein großer Unsicherheitsfaktor der bisherigen Prognosen.

Dr. Johannes Fürst möchte mit seinem Projekt FRAGILE diese Prognosen deutlich verbessern: Er arbeitet an der nächsten Generation von Vorhersagemodellen für die Entwicklung von Gletschern weltweit. Dafür will er immense Mengen bislang meist ungenutzter Fernerkundungsdaten – also Satellitenbilder – der vergangenen 20 bis 30 Jahre verwerten und systematisch für die Modellierung heranziehen. Die Datenflut beinhaltet eine inzwischen zweiwöchentliche Abdeckung jedes Gletschers auf unserem Planeten, inklusive der Vermessung seiner momentanen Geschwindigkeit und seiner Oberfläche. Diese Information soll systematisch und über die Zeit hinweg in das neue Vorhersagemodell einfließen. Die Grundidee ist aus der Wettervorhersage bekannt. Das System optimiert sich über die Zeit durch ständige Vergleiche zwischen Modell und Wirklichkeit selbst. Daran schließen dann bestmöglich Vorhersagen an.

Abgesehen von dieser gezielten Datenverwertung will Fürst auf jedwede Vereinfachung der Gletschergeometrien verzichten: Gletscher sollen stattdessen in ihrer Gesamtheit als dreidimensionale Körper in den Gebirgstälern erfasst und Änderungen in ihrem Fließverhalten berücksichtigt werden.

Eine seiner ersten Anschaffungen aus den Mitteln des Starting Grant: ein Storage Server mit einer Speicherkapazität von 400 Terabyte für die gewaltigen Datenmengen, die in seinem Modell verarbeitet werden.

Vita

Johannes Fürst wurde im bayerischen Neuburg an der Donau geboren. Nachdem er im Jahr 2009 seinen Master in Physik an der Universität Potsdam abgeschlossen hatte, zog es ihn ins benachbarte Belgien, wo er 2013 an der Vrije Universiteit Brussel über Auswirkungen des Klimawandels auf das Grönlandeis promovierte. Im Anschluss daran forschte er bis 2015 als Postdoc am Laboratoire de Glaciologie et Géophysique de l’Environnement im französischen Saint Martin d’Hères, einem Vorort von Grenoble. 2015 kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg eine Postdoc-Position am Institut für Geographie. Seit 2018 forscht er als Scientific Associate am Institut für Geographie der FAU.

Kontakt

Dr. Johannes Fürst
johannes.fuerst@fau.de