Links zu weiteren Portalen

Seiteninterne Suche

NAT aktuell

Wasser unter Stress

Wie Steuerung und Bewirtschaftung sowie Schutz und Überwachung der Grundwasservorkommen in der Region weiter gut gelingen können, ist ein Thema beim Grundwassertag an der FAU. (Foto: Johannes Barth)

Grundwasser ist eine wertvolle Ressource, die geschützt werden muss. Darüber tauschen sich Experten beim ersten „Kleinen Grundwassertag für den Großraum Nürnberg“ am 12. Dezember an der FAU aus. Wir haben Prof. Johannes Barth, Hydrogeologe und Leiter des Lehrstuhls für Angewandte Geologie der FAU gefragt, wie es um das Grundwasser in der Region bestellt ist.

Sie sagen, unser Grundwasser gerät zunehmend unter Stress. Müssen wir jetzt um die Qualität unseres Wassers fürchten?

Natürlich können Verunreinigungen aus Industrie oder Landwirtschaft eine Gefahr für das Grundwasser darstellen und dessen Qualität belasten. Die Gefahr wächst oft dort, wo Grundwasser nahe an Siedlungen oder Industrieanlagen gewonnen wird. Allerdings bestehen in Deutschland strenge Regeln für die Festlegung von Wasserschutzgebieten rund um Wasserwerke und deren Trinkwassergewinnungsanlagen. Damit ist auch in Ballungsräumen wie Nürnberg, Fürth und Erlangen eine hervorragende Trinkwasserqualität gesichert. Beim Grundwassertag wollen sich Experten aus Forschung und Praxis darüber austauschen, wie Steuerung und Bewirtschaftung sowie Schutz und Überwachung der Grundwasservorkommen in der Region weiter gut gelingen können und welche Entwicklungen für das Grundwasser abzusehen sind.

Wie lässt sich die Qualität des Grundwassers sicherstellen?

Das Wichtigste ist eine engmaschige Beobachtung. Hier in der Region haben wir einen guten Einblick in die Grundwasserlandschaft und allein im Stadtgebiet Nürnberg gibt es mehr als 2000 Beobachtungsbrunnen. Natürlich kann auch die Forschung wichtige Beiträge leisten: Hier an der FAU stehen uns beispielsweise hervorragende Analysemöglichkeiten zur Verfügung.  Mit speziellen Techniken, die stabile Isotopenverhältnisse von Wasser, gelösten Sauerstoff und Kohlenstoff genauestens messen, können wir Herkunft und Umsetzungen sowie Mischungen von Grund- und Oberflächenwässern bestimmen. Dabei kommt oft heraus, dass Grundwasser sehr lange Aufenthaltszeiten hat und sich langsam fortbewegt. Weil es so lange unterwegs ist, kann es vielen Umwelteinflüssen auf lange Zeit ausgesetzt sein. Deshalb müssen wir mit dieser Ressource sehr vorsichtig umgehen und planen.

Ein Thema beim Grundwassertag ist Geothermie. Was hat denn das eigentlich kalte Wasser im Untergrund mit Erdwärme zu tun?

Zum einen ist das Grundwasser im Normalfall etwa neun bis zehn Grad kalt und kann als gutes Kühlmittel dienen, mit dem zum Beispiel Klimaanlagen betrieben oder Computerräume gekühlt werden können. Wir sprechen dann von Geocooling. Umgekehrt kann Grundwasser aber auch ein Wärmelieferant sein, wenn Temperaturdifferenzen über eine Wärmepumpe ausgenutzt werden. Bei beiden Verfahren werden in der Regel wärmetauschende Flüssigkeiten in abgedichteten Rohrleitungen durch das Grundwasser geführt.

In Städten ist die Erwärmung des Grundwassers durch Flächenversiegelung, unterirdische Parkhäuser, U-Bahnen, dichte Bebauung oder Kühlanlagen besonders deutlich und wir konnten schon Grundwassertemperaturen von bis zu 17 Grad Celsius messen. Um mögliche Nutzungen aber auch Effekte auf angebundene Ökosysteme besser zu verstehen, müssen hier die Temperaturänderungen im Jahresverlauf, in ihrer räumlichen Ausbreitung und über mehrere Grundwassertiefen gut untersucht und überwacht werden.

Der kleine Grundwassertag für den Großraum Nürnberg

Der kleine Grundwassertag für den Großraum Nürnberg findet am 12.Dezember, von 10.15 Uhr bis ca. 13.30 Uhr im Senatssaal des Kollegienhauses, Raum 1.011, Universitätsstraße 15, Erlangen, statt. Die Veranstaltung wird vom Geozentrum Nordbayern der FAU und vom Umweltamt der Stadt Nürnberg organisiert und ist öffentlich.

Weitere Informationen:

Prof. Johannes Barth, Ph. D.

  • Organisation: Geozentrum Nordbayern
  • Abteilung: Lehrstuhl für Angewandte Geologie
  • Telefonnummer: +49 9131 85 - 22620
  • E-Mail: johannes.barth@fau.de