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„Women in Science – 1st Erlangen Symposium” am 9.-11. Dezember 2018

Das Organistionskommitee von Women in Science (von links): Dr. Sandra Míguez Lago, Aysun Çapcı Karagöz, MSc., Dr. M. Eugenia Pérez-Ojeda, Dr. Alexandra Burger, Katerina Maxouti, MSc., Ramandeep Kaur, MSc., und Helen Hölzel, MSc.. (Bild: FAU/Burger)

FAU-Forscherinnen organisieren Symposium mit ausschließlich Referentinnen

Nachwuchswissenschaftlerinnen am Department Chemie und Pharmazie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) laden vom 9. bis 11. Dezember zum ersten „Women in Science“-Symposium an der FAU ein. Das Besondere: Das Organisationskomitee besteht ausschließlich aus Frauen. Auch die Vorträge werden ausschließlich von Referentinnen gehalten. Renommierte Wissenschaftlerinnen aus der ganzen Welt werden neben ihren wissenschaftlichen Erfolgen auch ihren Karriereweg vorstellen. Auch der neue bayerische Minister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, MdL, wird auch an der Veranstaltung teilnehmen.  Im Interview erklären zwei der sieben Organisatorinnen, Dr. Alexandra Burger und Helen Hölzel, was sie sich von dem Symposium erhoffen – und warum es ein wichtiges Zeichen setzt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Symposium „Women in Science“ zu veranstalten?

Dr. Alexandra Burger: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat uns über den Sonderforschungsbereich SFB 953 finanzielle Unterstützung für Gleichstellungsmaßnahmen angeboten. So kamen wir auf die Idee ein „Women in Science“ Symposium zu organisieren. An den meisten Universitäten, vor allem in den Naturwissenschaften, herrscht nach wie vor eine unausgewogene Geschlechterverteilung in Professoren- und Lehrstuhlinhaberposten. Mit dem Symposium wollten wir dem Thema mehr Aufmerksamkeit verleihen. Unser Ziel ist einerseits, die wissenschaftlichen Errungenschaften von Naturwissenschaftlerinnen zu präsentieren, andererseits aber auch zu zeigen wie Frauen in der Wissenschaft Erfolg haben können. Daher haben wir ein internationales Panel mit Referentinnen in hohen akademischen Positionen anvisiert.

Zu unserer großen Freude konnten wir Professorinnen aus der ganzen Welt mit wirklich erstaunlichen Lebensläufen gewinnen. Thematisch stammen die Vorträge aus Bereichen der Anorganischen und Organometallchemie, Materialwirtschaften, Organische Chemie, Physik und Medizinische Chemie. Für uns ist es wichtig, dass dieses Treffen einen Mehrwert bietet, der es von anderen wissenschaftlichen Konferenzen unterscheidet. So haben wir alle Rednerinnen gebeten, neben ihren wissenschaftlichen Ergebnissen auch ihre Karriereentwicklung zu präsentieren. Neben Vorträgen aus dem akademischen Bereich haben wir zudem Sprecherinnen aus der Industrie und der Redaktion von Peer-Review-Journals eingeladen, um dem Publikum Einblicke in alternative Karrierewege zu geben.

Warum ist es wichtig, ein Symposium ausschließlich mit Sprecherinnen zu haben?

Helen Hölzel: Bislang stellen Frauen leider immer noch die Minderheit in hohen Positionen dar, insbesondere im akademischen Bereich – europaweit zum Beispiel besetzen sie nur rund 20 Prozent dieser Stellen. Deshalb möchten wir zeigen, dass Frauen in der Wissenschaft genauso erfolgreich sein können wie Männer. Unser Ziel ist es junge Forscher zu motivieren, ihnen Impulse und Ideen zu geben, die u.a. Frauen helfen können, das Familienleben mit einer erfolgreichen Karriere in der Wissenschaft in Einklang zu bringen.

Wichtig ist, dass, obwohl ausschließlich Rednerinnen eingeladen sind, das Symposium allen offensteht. Sowohl weibliche wie männliche Nachwuchswissenschaftler und Studenten nehmen am Symposium teil und stellen ihre eigene Forschung in Kurzvorträgen oder Posterpräsentationen vor.

Die Referentinnen stellen auch ihre Karrierewege vor. Welche Impulse erhoffen Sie sich für die Teilnehmer?

Helen Hölzel: Damit möchten wir dem Publikum Einblicke in verschiedene Karrierewege geben, auf welche Hindernisse junge Forscherinnen treffen und wie sie in der Wissenschaft erfolgreich sein können. Da es ein internationales Panel ist, wird es sehr interessant sein zu sehen, wie Frauen aus verschiedenen Ländern ihren Weg gefunden haben. Darüber hinaus erklären die Referentinnen, warum sie welche Entscheidung während ihrer Karriere getroffen haben, wer und was sie beeinflusst hat und wie es ihnen gelungen ist, ihre wissenschaftliche Karriere mit einem Familienleben zu verbinden.

Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die eine Karriere in der Forschung anstreben?

Dr. Alexandra Burger: Dass sie keine Angst haben sollten, diesen Weg zu wählen! Natürlich ist es kein einfacher Weg, aber Hindernisse gibt es überall und es ist durchaus möglich, erfolgreich in der Wissenschaft zu arbeiten und dies mit einem Familienleben zu verbinden. Im Allgemeinen sind die kritischsten Punkte die Finanzierung und die Phase während der Schwangerschaft und des Mutterschaftsurlaubs. Es gibt inzwischen jedoch Initiativen, die Frauen mit speziellen Mitteln für diese Situationen unterstützen. Ich würde empfehlen, Institutionen wie das Büro für Gender and Diversity an der FAU oder den DAAD zu kontaktieren, um Finanzierungsmöglichkeiten zu erhalten.

Es gibt viele Programme, die den Start der wissenschaftlichen Karriere erleichtern werden. Diese Veranstaltung hilft den Studierenden, sie kennenzulernen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das wissenschaftliche Netzwerk. Ich empfehle jedem, der in der Wissenschaft Erfolg haben möchte, so früh wie möglich ein Netzwerk aufzubauen, Kooperationsprojekte im In- und Ausland aufzubauen und sich natürlich mit den neuesten wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf dem Laufenden zu halten.

Sie haben zum ersten Mal ein internationales Symposium organisiert. Auf welche Schwierigkeiten sind Sie gestoßen?

Dr. Alexandra Burger: Wir mussten viel lernen. Obwohl einige von uns bereits an der Organisation von Symposien mitgearbeitet hatten, war es eine neue Erfahrung. Wir waren für alles verantwortlich: vom Konzept und Programm über die Auswahl der Referentinnen bis zur Erstellung einer Homepage, Werbung sowie alle organisatorischen und Sicherheitsaspekte. Aysun Çapci und Sandra Miguez Lago waren für die Registrierung und das Book of Abstracts zuständig, Katerina Maxouti für das Programm und die Unterkünfte, M. Eugenia Pérez-Ojeda und ich waren die Kontaktpersonen für die eingeladen Rednerinnen. Eugenia hat sich zusätzlich um die Preise für die aktiven Teilnehmer gekümmert und ich  war verantwortlich für die Gestaltung der Homepage. Helen Hölzel hat den Flyer und das Poster designt, sowie das Catering organisiert, Ramandeep Kaur war für den Transport zuständig. Wegen der multikulturellen Herkunft und der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen im Organisationskomitee herrschte immer eine bereichernde Atmosphäre.

Und wir haben bereits viele positive Rückmeldungen erhalten, worüber wir uns sehr freuen: Viele erfolgreiche Forscherinnen haben unsere Einladung angenommen und wir haben viele Bewerbungen für Kurzvorträge, Flash Talks und Posterpräsentationen erhalten. Zu unserer großen Freude nahm auch der neue bayerische Minister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, MdL, unsere Einladung an. Ich denke, wir haben gute Arbeit geleistet und freuen uns alle auf das Symposium.

Thematisch dreht sich das Symposium um Kohlenstoffallotrope. Wofür werden diese benötigt, wie ist der aktuelle Forschungsstand und was wird an der FAU zu diesem Thema erforscht?

Helen Hölzel: Synthetische Kohlenstoff Allotrope stellen neben Diamant- und Graphit-Naturformen eine der vielversprechendsten Materialfamilien dar: Sie zeigen ein enormes Potenzial für Hochleistungsanwendungen in den Bereichen Nano- und Optoelektronik, Wasserstoffspeicherung, Sensoren und Verstärkung von Polymeren. Außerdem scheinen sie bessere Halbleiter als Silizium zu sein: Sie können transparent, flexibel, hochresistent und leicht sein. Mit einfachen chemischen Funktionalisierungsstrategien können ihre Eigenschaften auf spezielle Anforderungen zugeschnitten werden. Gleichzeitig sind sie ideale Materialien für die Untersuchung grundlegender chemischer und physikalischer Fragestellungen wie form- und ladungsabhängigen Eigenschaften, Ladungstransport und die Erkennung supramolekularer Wechselwirkungen. Im SFB 953 erforschen Chemiker, Physiker und Ingenieure mithilfe modernster Techniken und analytischen Instrumenten die einzigartigen Eigenschaften dieser Materialien und lernen, diese entsprechend den Anforderungen der Anwendungen zu verändern und zu nutzen. Auf der einen Seite forschen Arbeitsgruppen wie die von Prof. Dr. Andreas Hirsch, Prof. Dr. Norbert Jux oder Prof. Dr. Milan Kivala an der Funktionalisierung der Kohlenstoffallotrope – zum Beispiel Fullerene, Graphen und Nanoröhren – sowie am Design neuer funktionaler Materialien. Auf der anderen Seite konzentriert sich die Forschung von Prof. Dr. Svetlana Tsogoeva derzeit auf medizinische Chemie, Organokatalyse, mehrstufige Dominoprozesse und die Synthese neuer fluoreszierender aromatischer und heteroaromatischer Verbindungen, die bei der Synthese von Materialien mit halbleitenden Eigenschaften und molekularen elektronischen Geräten von Nutzen sein können. Die funktionellen Materialien, die von den genannten Arbeitsgruppen hergestellt werden, können anschließend von anderen Gruppen des SFBs für die Herstellung von neuen funktionellen Materialien verwendet werden. Dies geschieht z.B. in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dirk M. Guldi, die sich mit möglichen Anwendungen im Gebiet der Solarzellen oder katalytischer Reaktivität beschäftigt. Über Forschung hinaus, bietet der Sonderforschungsbereich SFB 953 Unterstützung und bemüht sich um notwendige strukturelle Änderungen in der akademischen Wissenschaft um in Zukunft ein faires wissenschaftliches Forschungsumfeld zu erreichen.

Das Women in Science-Symposium

Das Symposium findet vom 9. bis 11. Dezember im Chemikum, Nikolaus-Fiebiger-Straße 10 in Erlangen, statt und richtet sich an weibliche und männliche Zuhörer. Organisiert wird es ausschließlich von Nachwuchswissenschaftlerinnen: Dr. M. Eugenia Pérez-Ojeda, Dr. Sandra Míguez Lago, Dr. Alexandra Burger, Helen Hölzel, Katerina Maxouti, Ramandeep Kaur und Aysun Ҫapci. Insgesamt werden 16 Rednerinnen aus der ganzen Welt an dem Symposium teilnehmen, unter anderem die Kernphysikerin Prof. Rajaâ Cherkaoui El Moursli von der Mohammed V University, Marokko, UNESCO-L’Oréal-Preisträgerin von 2015, sowie Prof. Annick Loiseau (ONERA, Frankreich), und Prof. Nancy S. Goroff (Stony Brook University, USA). Darüber hinaus wird das Symposium von Kurzvorträgen, Posterpräsentationen und Round-Table Diskussionen begleitet. Zusätzlich werden auch FAU-Präsident Prof. Dr. Hornegger, Prof. Dr. Gmeiner, Sprecher des Departments Chemie & Pharmazie, und Prof. Dr. Hirsch, Sprecher des SFB 953, an dem Symposium teilnehmen.

Ausführliche Informationen gibt es auf der Webseite des Symposiums

Weitere Informationen:

Organisationskomitee von Women in Science
dcp-womeninscience@fau.de